Konkrete Veränderungen im täglichen Leben sind für die weitere Abklärung ebenso wichtig wie das Ergebnis eines Kurztests.
Der Uhrentest, auch Uhren-Zeichen-Test genannt, ist ein kurzer kognitiver Screeningtest. Eine Person zeichnet dabei eine analoge Uhr und stellt – je nach verwendeter Variante – eine vorgegebene Uhrzeit dar. Die auf den ersten Blick einfache Aufgabe fordert mehrere geistige Fähigkeiten gleichzeitig und kann Hinweise auf Veränderungen geben. Eine Demenz lässt sich damit jedoch weder sicher feststellen noch ausschließen.
Beim Uhrentest wird eine Person gebeten, eine analoge Uhr zu zeichnen. Je nach verwendeter Variante ist der Kreis bereits vorgegeben oder wird ebenfalls selbst gezeichnet. Anschließend werden die Zahlen eingetragen und häufig eine bestimmte Uhrzeit mit Stunden- und Minutenzeiger dargestellt.
Die Aufgabe wirkt einfach. Tatsächlich müssen aber mehrere Schritte gleichzeitig gelingen: Die Anweisung muss verstanden, das Zifferblatt räumlich geplant, die Zahlen sinnvoll verteilt und die Zeiger passend zur verlangten Zeit eingezeichnet werden.
Gerade dadurch können Schwierigkeiten sichtbar werden, die in einem normalen Gespräch zunächst kaum auffallen. Aus der Zeichnung allein lässt sich jedoch nicht erkennen, wodurch eine Auffälligkeit verursacht wird.
Konkrete Veränderungen im täglichen Leben sind für die weitere Abklärung ebenso wichtig wie das Ergebnis eines Kurztests.
Der Uhrentest dauert üblicherweise nur wenige Minuten. Die genaue Aufgabenstellung hängt davon ab, welche Testvariante verwendet wird.
Bei einer verbreiteten Variante erhält die getestete Person einen Kreis und soll darin die zwölf Zahlen einer Uhr eintragen. Anschließend wird eine bestimmte Uhrzeit genannt, die mit Stunden- und Minutenzeiger dargestellt werden soll.
Bei anderen Varianten muss auch der Kreis selbst gezeichnet werden oder einzelne Bestandteile werden anders bewertet. Deshalb gehören Aufgabenstellung und Auswertung immer zusammen.
Bei einer verbreiteten Variante wird häufig die Uhrzeit „10 nach 11“ verwendet. Das gilt jedoch nicht für jede Form des Uhrentests. Eine andere Aufgabenstellung kann auch ein anderes Auswertungssystem erfordern.
Im Internet werden außerdem verschiedene Uhrentest-Vorlagen zum Ausdrucken angeboten. Eine solche Vorlage eignet sich jedoch nicht dazu, innerhalb der Familie eine Demenz festzustellen. Bereits Unterschiede bei Aufgabenstellung und Bewertung können die Ergebnisse unterschiedlich einordnen lassen.
Der Uhrentest ist nicht einfach nur ein Gedächtnistest. Für die Zeichnung müssen mehrere Fähigkeiten zusammenspielen.
| Fähigkeit | Was dabei eine Rolle spielt |
|---|---|
| Aufgabenverständnis | Die Anweisung verstehen und in eine Handlung übertragen. |
| Planung | Überlegen, wie Zahlen und Zeiger sinnvoll angeordnet werden. |
| Visuell-räumliche Verarbeitung | Positionen und Abstände auf dem Zifferblatt richtig einschätzen. |
| Aufmerksamkeit | Die einzelnen Schritte konzentriert bearbeiten. |
| Abstraktes Denken | Das bekannte Prinzip einer analogen Uhr auf die Zeichnung übertragen. |
| Selbstkontrolle | Eigene Fehler erkennen und das Vorgehen gegebenenfalls korrigieren. |
Auch Sehvermögen und Handmotorik spielen eine Rolle. Ein Tremor, Schmerzen, Sehprobleme, starke Erschöpfung oder Schwierigkeiten beim Verständnis der Aufgabe können das Ergebnis beeinflussen.
Sehprobleme, Handmotorik, Schmerzen, Erschöpfung oder eine ungewohnte Testsituation können die Aufgabe erschweren.
Bei der Auswertung geht es nicht darum, ob eine Uhr besonders ordentlich gezeichnet wurde. Entscheidend ist unter anderem, ob die Aufgabe verstanden wurde, alle Zahlen vorhanden sind, ihre Reihenfolge stimmt, sie sinnvoll verteilt wurden und die Zeiger die verlangte Uhrzeit korrekt darstellen.
Auch die Art, wie die Zeichnung entsteht, kann wichtige Hinweise liefern. Fachpersonen können beispielsweise beobachten, ob jemand planvoll beginnt, häufig korrigieren muss oder erst während des Zeichnens bemerkt, dass für die übrigen Zahlen kein Platz mehr vorhanden ist.
Eine Besonderheit des Uhrentests ist, dass mehrere etablierte Auswertungssysteme existieren. Die Punktzahlen haben je nach verwendeter Variante unterschiedliche Bedeutungen.
| Auswertung | Skala | Grundprinzip |
|---|---|---|
| Shulman | 1 bis 6 | Niedrige Werte stehen für eine bessere Leistung; höhere Werte für stärkere Auffälligkeiten. |
| Sunderland | 1 bis 10 | Hier ist die Richtung umgekehrt: Höhere Werte stehen für eine bessere Leistung. |
| Watson | 0 bis 7 | Niedrigere Werte sprechen für eine bessere räumliche Anordnung. |
Was bedeuten beispielsweise 4 Punkte? Ohne die verwendete Skala lässt sich das nicht beantworten. Vier Punkte nach Shulman haben eine andere Bedeutung als vier Punkte in einem anderen Auswertungssystem.
Bei der verbreiteten Shulman-Auswertung entspricht ein Wert von 1 einer korrekten Darstellung. Mit steigender Punktzahl nehmen die Auffälligkeiten zu.
| Shulman-Wert | Vereinfachte Einordnung |
|---|---|
| 1 | Uhr und vorgegebene Uhrzeit sind korrekt dargestellt. |
| 2 | Leichtere visuell-räumliche Auffälligkeiten sind erkennbar. |
| 3 | Die Uhr ist grundsätzlich erkennbar, bei der Darstellung der Uhrzeit bestehen jedoch deutliche Schwierigkeiten. |
| 4 | Deutlichere Probleme bei der räumlichen Organisation des Zifferblatts. |
| 5 | Starke visuell-räumliche und organisatorische Auffälligkeiten. |
| 6 | Die Darstellung ist nicht mehr sinnvoll als Uhr erkennbar. |
Diese Skala beschreibt die Leistung in der konkreten Aufgabe. Sie ist keine Skala für den Schweregrad einer Demenz.
Es gibt dabei kein einzelnes typisches „Demenz-Uhrenbild“. Unterschiedliche Fehler können unterschiedliche Ursachen haben.
Ein auffälliger Uhrentest bedeutet zunächst, dass das Ergebnis gemeinsam mit weiteren Informationen medizinisch eingeordnet werden sollte. Er beweist weder eine Demenz noch eine bestimmte Demenzform.
Auch Sehprobleme, eine eingeschränkte Handmotorik, Schmerzen, starke Erschöpfung, Schwierigkeiten beim Verständnis der Aufgabe oder andere gesundheitliche Probleme können die Zeichnung beeinflussen.
Umgekehrt schließt ein unauffälliges Ergebnis kognitive Veränderungen nicht sicher aus. Manche Schwierigkeiten zeigen sich stärker in anderen Bereichen oder zunächst vor allem im täglichen Leben.
Nein. Der Uhrentest ist ein Screeningverfahren. Für eine Demenzdiagnose werden zusätzlich der zeitliche Verlauf, Veränderungen im Alltag, die Krankengeschichte und gegebenenfalls weitere kognitive oder medizinische Untersuchungen benötigt.
Der Uhrentest konzentriert sich auf eine kurze Zeichenaufgabe, in der mehrere geistige Fähigkeiten gleichzeitig benötigt werden. MMST, MoCA und DemTect bestehen dagegen aus mehreren unterschiedlichen Aufgaben.
| Test | Besonderheit |
|---|---|
| Uhrentest | Kurze Zeichenaufgabe mit besonderem Schwerpunkt auf Planung und visuell-räumlicher Verarbeitung. |
| MMST / MMSE | Kognitiver Kurztest mit mehreren Aufgaben und maximal 30 Punkten. |
| MoCA | Untersucht mehrere Bereiche und berücksichtigt stärker komplexere Aufmerksamkeits- und Planungsleistungen. |
| DemTect | Besteht aus fünf Aufgaben und ist insbesondere auf leichte beziehungsweise frühe kognitive Veränderungen ausgerichtet. |
Einen übergeordneten Vergleich finden Sie bei unseren Demenztests im Überblick. Ausführlich erklären wir die einzelnen Verfahren in unseren Ratgebern zum MMST beziehungsweise MMSE, zum MoCA-Test und zum DemTect-Test.
Wenn Gedächtnis, Orientierung oder alltägliche Abläufe zunehmend Schwierigkeiten bereiten, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Für das Arztgespräch sind konkrete Beispiele aus dem Alltag meist hilfreicher als die eigene Bewertung einer Uhrenzeichnung.
Veränderungen für den Arzttermin festhalten
Unser kostenloser Beobachtungsbogen hilft Angehörigen, Veränderungen bei Gedächtnis, Orientierung und Alltag strukturiert zu dokumentieren und zum Arztgespräch mitzunehmen.
Bei plötzlich auftretender starker Verwirrtheit, neuen Sprachstörungen, Lähmungen, einem hängenden Mundwinkel, Bewusstseinsveränderungen oder anderen akuten neurologischen Beschwerden sollte nicht auf einen regulären Termin gewartet werden. Dann ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.
Welche Hilfe zu Hause sinnvoll ist, richtet sich nach dem tatsächlichen Unterstützungsbedarf und nicht nach einer einzelnen Uhrenzeichnung.
Ein auffälliger Uhrentest sagt nicht, welche Betreuung jemand benötigt. Erst wenn die medizinische Situation eingeordnet ist und im Alltag dauerhaft mehr Hilfe erforderlich wird, stellt sich die Frage nach geeigneten Unterstützungsmöglichkeiten.
Bei einer Demenzerkrankung finden Angehörige in unserem Ratgeber zur Demenzbetreuung zu Hause weitere Informationen zu Tagesstruktur, Sicherheit, Kommunikation und Entlastungsmöglichkeiten.
Unterstützung im eigenen Zuhause organisieren
Wenn nach der medizinischen Abklärung regelmäßig Hilfe bei Alltagsgestaltung, Haushalt oder Begleitung benötigt wird, können Betreuungskräfte aus Osteuropa eine mögliche Unterstützung sein. Medizinische Behandlungspflege bleibt Aufgabe entsprechend qualifizierter Fachkräfte.
Der Uhrentest kann innerhalb weniger Minuten Hinweise darauf geben, wie verschiedene Denk-, Planungs- und räumliche Fähigkeiten zusammenspielen. Gerade seine Einfachheit macht ihn zu einem hilfreichen Screeningverfahren.
Das Ergebnis sollte jedoch nie für sich allein bewertet werden. Es gibt unterschiedliche Testvarianten und Auswertungsskalen, und auch körperliche oder gesundheitliche Faktoren können das Ergebnis beeinflussen. Bei anhaltenden Veränderungen ist deshalb die ärztliche Abklärung wichtiger als eine selbst vorgenommene Bewertung.
Der Uhrentest kann Hinweise darauf geben, ob unter anderem Planung, Aufgabenverständnis und visuell-räumliche Verarbeitung auffällig sind. Er allein sagt jedoch nicht, ob eine Demenz vorliegt.
Ein auffälliges Ergebnis kann Anlass für eine weitere medizinische Abklärung sein. Es ist kein Nachweis einer Demenz.
Das hängt vom verwendeten Auswertungssystem ab. Bei der Shulman-Skala weisen vier Punkte auf deutlichere Probleme bei der räumlichen Organisation hin. Andere Uhrentest-Varianten verwenden jedoch andere Skalen und teilweise eine umgekehrte Bewertungsrichtung.
Es gibt kein einheitliches typisches Bild. Möglich sind beispielsweise fehlende oder falsch verteilte Zahlen, Schwierigkeiten mit den Zeigern oder eine fehlerhafte Darstellung der Uhrzeit. Solche Auffälligkeiten können jedoch auch andere Ursachen haben.
Bei einer verbreiteten Variante wird häufig „10 nach 11“ verwendet. Andere Varianten können eine andere Aufgabenstellung nutzen. Deshalb müssen Durchführung und Auswertung zusammenpassen.
Nein. Ein unauffälliges Ergebnis schließt eine Demenz oder andere kognitive Veränderungen nicht sicher aus. Bei anhaltenden Beschwerden kann unabhängig vom Uhrentest weitere Diagnostik sinnvoll sein.
Eine Uhr lässt sich zwar leicht zeichnen, eine Selbstdiagnose ist damit jedoch nicht möglich. Aufgabenstellung, Auswertungssystem und mögliche Einflussfaktoren müssen gemeinsam berücksichtigt werden.
Fachliche Grundlagen
Betreuung zu Hause passend einordnen
Wenn nach der medizinischen Abklärung dauerhaft Unterstützung im Alltag benötigt wird, hilft Pflege-Schätzle Familien dabei, Möglichkeiten der Betreuung im eigenen Zuhause verständlich einzuordnen.

