Schon kleine, sichere Aktivitätsphasen können helfen, langes Liegen und dauerhaft flache Atmung zu vermeiden.
Pneumonieprophylaxe umfasst Maßnahmen, die das Risiko einer Lungenentzündung verringern sollen. Bei älteren und pflegebedürftigen Menschen geht es vor allem darum, Bewegung und Lungenbelüftung zu unterstützen, Sekretstau zu vermeiden, Infektionsrisiken zu reduzieren und Gefahren durch Aspiration früh zu erkennen.
Besonders wichtig ist die Pneumonieprophylaxe bei eingeschränkter Mobilität, längerer Bettlägerigkeit, Schluckstörungen, chronischen Atemwegs- oder Lungenerkrankungen und einem geschwächten Allgemeinzustand. Welche Maßnahmen geeignet sind, hängt immer von der individuellen Situation ab.
Pneumonieprophylaxe bezeichnet vorbeugende Maßnahmen, mit denen das Risiko einer Lungenentzündung gesenkt werden soll. Sie ist besonders relevant, wenn Bewegung, Atmung, Hustenfunktion oder Schlucken eingeschränkt sind.
Eine Pneumonieprophylaxe behandelt keine bereits bestehende Lungenentzündung. Sie setzt vorher an: Die Lunge soll möglichst gut belüftet bleiben, Sekret soll abtransportiert werden können und vermeidbare Infektions- oder Aspirationsrisiken sollen reduziert werden.
Pneumonieprophylaxe gehört zu den vorbeugenden Maßnahmen in der Pflege. Einen Überblick über weitere Bereiche finden Sie im Ratgeber zu den Prophylaxen in der Pflege.
Schon kleine, sichere Aktivitätsphasen können helfen, langes Liegen und dauerhaft flache Atmung zu vermeiden.
In der Pflege wird das LISA-plus-Prinzip häufig als Merkhilfe für wichtige Bereiche der Pneumonieprophylaxe verwendet. Es ist kein starres Behandlungsschema, sondern fasst zentrale Ziele übersichtlich zusammen.
| LISA | Bedeutung | Beispiele im Pflegealltag |
|---|---|---|
| L | Lungenbelüftung unterstützen | Mobilisation, aufrechte Positionen und individuell geeignete Atemanregung |
| I | Infektionen vermeiden | Händehygiene, Mundpflege und allgemeiner Infektionsschutz |
| S | Sekretmanagement | Bewegung, geeignete Positionen und Unterstützung des natürlichen Abhustens |
| A | Aspiration vermeiden | Schluckprobleme erkennen und bei Bedarf fachlich abklären lassen |
Das „Plus“ steht für ergänzende medizinische Maßnahmen, wenn sie individuell erforderlich sind. Dazu können beispielsweise ärztlich verordnete Therapien oder Maßnahmen des medizinischen Infektionsschutzes gehören.
Das Pneumonierisiko steigt häufig dann, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen. Alter allein bedeutet nicht automatisch, dass eine Lungenentzündung entsteht.
| Risikobereich | Typische Beispiele |
|---|---|
| Beweglichkeit | Bettlägerigkeit, lange Liegezeiten oder deutlich eingeschränkte Mobilität |
| Atmung und Lunge | chronische Atemwegs- oder Lungenerkrankungen, flache Atmung oder eingeschränkte Hustenfunktion |
| Allgemeinzustand | hohes Alter, starke körperliche Schwäche, schwere Erkrankungen oder geschwächtes Immunsystem |
| Schlucken | Dysphagie, wiederholtes Verschlucken oder eingeschränkte Schutzreflexe |
| Nach Erkrankungen | deutlich reduzierte Aktivität nach Operation, Krankenhausaufenthalt oder längerer Erkrankung |
Auch Veränderungen gegenüber dem bisherigen Zustand sind wichtig. Steht eine Person plötzlich kaum noch auf, hustet deutlich schwächer oder verschluckt sich häufiger, sollte der Pflege- und Unterstützungsbedarf neu eingeschätzt werden.
Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt vom individuellen Risiko ab. Im häuslichen Pflegealltag spielen vor allem diese sechs Bereiche eine Rolle:
Bewegung gehört zu den wichtigsten alltagsnahen Maßnahmen der Pneumonieprophylaxe. Dabei geht es nicht um sportliche Belastung. Bereits das Aufsetzen im Bett, der Wechsel in einen stabilen Sessel, das Waschen am Waschbecken oder wenige sichere Schritte können helfen, langes Liegen in derselben Position zu unterbrechen.
Aufrechte Positionen können zudem das Atmen erleichtern. Welche Aktivität möglich ist, richtet sich nach Kraft, Kreislauf, Schmerzen, Erkrankungen und dem aktuellen Allgemeinzustand.
Treten Atemnot, Schwindel, Schmerzen oder starke Erschöpfung auf, sollte die Belastung nicht einfach fortgesetzt werden. Bei deutlicher Unsicherheit ist eine ärztliche, pflegefachliche oder therapeutische Einschätzung sinnvoll.
Atemübungen können bei geeigneten Personen helfen, die Atmung bewusst zu vertiefen und verschiedene Lungenbereiche stärker zu belüften. Sie sollten einfach sein und nicht zu Anstrengung oder Luftnot führen.
Eine unkomplizierte Möglichkeit ist, in stabiler aufrechter Position einige ruhig vertiefte Atemzüge durchzuführen und dazwischen wieder normal zu atmen. Auch Bewegung, Sprechen und ein regelmäßiger Positionswechsel führen im Alltag zu unterschiedlichen Atemtiefen.
Bei chronischen Lungenerkrankungen, akuter Atemnot, Schmerzen, Schwindel oder deutlich eingeschränkter Belastbarkeit sollten spezielle Atemtechniken oder Atemtrainingsgeräte nur nach fachlicher Empfehlung eingesetzt werden.
Eine dauerhaft ungünstige Liegeposition kann Bewegung und tiefere Atmung erschweren. Deshalb können Lageveränderungen und gut verträgliche Positionen Teil der Pneumonieprophylaxe sein.
Einen festen Umlagerungsrhythmus für alle Menschen gibt es nicht. Positionierung muss sich nach Beweglichkeit, Beschwerden, Kreislauf, Hautzustand und der gesamten Pflegesituation richten.
Spezielle atemunterstützende Positionierungen oder therapeutische Lagerungskonzepte sollten nur angewendet werden, wenn sie für die betreffende Person geeignet und fachlich erklärt wurden.
Wenn es der Gesundheitszustand erlaubt, können Wechsel zwischen Liegen, Sitzen und kleinen Aktivitätsphasen lange bewegungsarme Zeiten unterbrechen.
Bei Bettlägerigkeit steigt das Risiko unter anderem deshalb, weil Bewegung, tiefere Atemzüge und kräftiges Abhusten erschwert sein können. Wenn es medizinisch möglich ist, sollte der Tagesablauf deshalb nicht ausschließlich aus Pflegehandlungen in derselben Liegeposition bestehen.
Manche Menschen können sich im Bett noch aktiv beteiligen, andere können zeitweise aufrecht sitzen oder in einen Sessel wechseln. Welche Mobilisation sicher ist, hängt vom individuellen Zustand ab.
Mehr über Ursachen, Folgen und Unterstützung erfahren Sie im Ratgeber zur Bettlägerigkeit.
Mund- und Händehygiene gehören ebenfalls zur Pneumonieprophylaxe. Im Mund können sich Mikroorganismen ansammeln. Das ist besonders relevant, wenn eine pflegebedürftige Person ihre Mundpflege nicht mehr vollständig selbst übernehmen kann.
Zähne, Prothesen, Zunge und Mundschleimhaut sollten regelmäßig und schonend gepflegt werden. Praktische Hinweise finden Sie in unserem Ratgeber zur Mundpflege bei Pflegebedürftigen.
Zum allgemeinen Infektionsschutz gehören außerdem saubere Hände und ein angemessener Umgang mit Atemwegsinfekten. Bei älteren oder vorerkrankten Menschen kann es sinnvoll sein, den aktuellen Impfstatus gegen relevante Atemwegsinfektionen mit der hausärztlichen Praxis zu besprechen.
Kann Sekret nicht ausreichend abgehustet werden, kann es sich in den Atemwegen ansammeln. Im Alltag kann es helfen, Bewegung zu ermöglichen, gut verträgliche Positionen zu finden und Getränke entsprechend der medizinisch erlaubten Trinkmenge anzubieten.
Medizinisches Sekretmanagement geht darüber hinaus. Absaugung, verordnete Inhalationen oder spezielle atemtherapeutische Maßnahmen benötigen eine entsprechende fachliche Einschätzung und Durchführung.
Wie medizinische Maßnahmen zu Hause von allgemeiner Alltagshilfe abgegrenzt werden, erklärt unser Ratgeber zur Behandlungspflege.
Gelangen Nahrung, Flüssigkeit, Speichel oder Mageninhalt in die Atemwege, spricht man von einer Aspiration. Besonders bei Schluckstörungen kann dadurch das Risiko einer Aspirationspneumonie steigen.
Wiederholtes Verschlucken, Husten oder Räuspern beim Essen, eine auffällig veränderte Stimme oder andere neue Schluckprobleme sollten deshalb fachlich abgeklärt werden.
Weitere Informationen zu Essen, Trinken, Positionierung und Dysphagie finden Sie in unserem Ratgeber zur Aspirationsprophylaxe.
Besteht ein erhöhtes Pneumonierisiko, kann die Pneumonieprophylaxe Teil der individuellen Pflegeplanung sein. Dabei geht es nicht darum, für jeden Menschen dieselben Maßnahmen festzulegen. Risiken, Fähigkeiten und Beobachtungen werden auf die konkrete Pflegesituation bezogen.
| Bereich | Beispiel für die Pflegeplanung |
|---|---|
| Risiko und Beobachtung | eingeschränkte Mobilität, schwacher Husten, lange Liegezeiten oder bekannte Schluckprobleme |
| Ziel | Mobilität und Lungenbelüftung im individuell möglichen Umfang erhalten und Veränderungen früh erkennen |
| Maßnahmen | vereinbarte Mobilisation, geeignete Positionierungen, Mundpflege und Beobachtung von Atmung, Husten und Allgemeinzustand |
| Überprüfung | Verträgt die Person die Maßnahmen? Haben sich Atmung, Mobilität, Husten oder Schlucken verändert? |
Die konkrete Pflegeplanung gehört in professionelle Hände beziehungsweise muss zur jeweiligen Versorgungssituation passen. Wie Pflegeziele, Maßnahmen und Evaluation grundsätzlich aufgebaut werden, erklärt unser Ratgeber zur Pflegeplanung.
Pflegerische Maßnahmen sind nur ein Teil der Prävention. Je nach Alter, Vorerkrankungen und persönlicher Situation können auch Schutzimpfungen gegen bestimmte Atemwegsinfektionen eine Rolle spielen.
Welche Impfungen individuell empfohlen werden, sollte mit der hausärztlichen Praxis besprochen werden. Bewegung, Hygiene und pflegerische Maßnahmen ersetzen diesen medizinischen Infektionsschutz nicht.
Bei älteren Menschen kann sich eine Lungenentzündung auch durch eine deutliche Veränderung des Allgemeinzustands zeigen.
Eine Lungenentzündung lässt sich zu Hause nicht anhand eines einzelnen Symptoms sicher feststellen. Folgende neu auftretende oder zunehmende Beschwerden sollten jedoch medizinisch abgeklärt werden:
Gerade bei älteren Menschen muss nicht immer hohes Fieber im Vordergrund stehen. Auch zunehmende Schwäche, Verwirrtheit oder ein deutlicher Rückgang der Mobilität können Anlass für eine ärztliche Abklärung sein.
Bei schwerer akuter Atemnot, bläulicher Verfärbung von Lippen oder Gesicht, deutlicher Bewusstseinsstörung oder einer schweren akuten Verschlechterung sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Angehörige müssen keine medizinische Pneumonieprophylaxe planen. Sie können aber dazu beitragen, vereinbarte Maßnahmen im Alltag zuverlässig umzusetzen und Veränderungen früh weiterzugeben.
Betreuungskräfte aus Osteuropa, die Pflege-Schätzle über externe Partner vermittelt, können im vereinbarten Rahmen bei Mahlzeiten, Haushalt, Tagesstruktur und alltäglicher Mobilität unterstützen. Sie ersetzen keine Pflegefachkräfte und übernehmen keine medizinische Atemtherapie, Absaugung oder andere Behandlungspflege.
Wenn im Alltag dauerhaft Unterstützung benötigt wird
Wenn Angehörige die tägliche Unterstützung bei Mahlzeiten, Haushalt, Tagesstruktur und Mobilität nicht mehr allein abdecken können, erfahren Sie mehr über Betreuungskräfte aus Osteuropa.
Wirksame Pneumonieprophylaxe besteht nicht aus einer einzelnen Atemübung oder Lagerung. Mobilität, Lungenbelüftung, Mund- und Händehygiene, Sekretmanagement und das Erkennen von Aspirationsrisiken greifen ineinander.
Im häuslichen Alltag ist es wichtiger, regelmäßig auf Beweglichkeit, Atmung, Husten, Schlucken und Allgemeinzustand zu achten, als ein starres Maßnahmenprogramm abzuarbeiten. Auffällige Veränderungen sollten früh fachlich abgeklärt werden.
Wenn neben professioneller Pflege täglich Unterstützung bei Mahlzeiten, Haushalt, Mobilität und Tagesstruktur erforderlich ist, informieren wir Sie über Möglichkeiten einer häuslichen Betreuung.
Pneumonieprophylaxe umfasst vorbeugende Maßnahmen, die das Risiko einer Lungenentzündung verringern sollen. Dazu gehören insbesondere Mobilisation, Unterstützung der Lungenbelüftung, Infektionsschutz, Sekretmanagement und das Erkennen von Aspirationsrisiken.
Wichtige Maßnahmen sind sichere Mobilisation, aufrechte und wechselnde Positionen, regelmäßige Mund- und Händehygiene, Unterstützung beim natürlichen Abhusten sowie das frühzeitige Erkennen von Schluck- und Atemproblemen.
LISA steht für Lungenbelüftung, Infektionen vermeiden, Sekretmanagement und Aspiration vermeiden. Das Plus bezeichnet ergänzende medizinische Maßnahmen. Das Schema dient als Merkhilfe und ersetzt keine individuelle Pflegeplanung.
Für manche Menschen können einige ruhig vertiefte Atemzüge in stabiler aufrechter Position geeignet sein. Bei Lungenerkrankungen, Atemnot, Schmerzen oder eingeschränkter Belastbarkeit sollten konkrete Atemübungen jedoch fachlich angeleitet werden.
Langes Liegen kann mit weniger Bewegung, flacherer Atmung und erschwertem Abhusten einhergehen. Deshalb sind individuell mögliche Mobilisation und Positionswechsel bei bettlägerigen Menschen besonders wichtig.
In der Pflegeplanung werden das individuelle Pneumonierisiko, vorhandene Fähigkeiten, vereinbarte Maßnahmen und deren Wirkung berücksichtigt. Dazu können beispielsweise Mobilisation, geeignete Positionierung, Mundpflege und die Beobachtung von Atmung und Husten gehören.
Regelmäßige Mundpflege unterstützt die Mundhygiene und reduziert Beläge. Sie ist deshalb besonders bei Menschen wichtig, die ihre Mundpflege nicht mehr vollständig selbst übernehmen können.
Bei schwerer akuter Atemnot, bläulicher Verfärbung von Lippen oder Gesicht, deutlichen Bewusstseinsstörungen oder einer schweren akuten Verschlechterung sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.

