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Bettlägerigkeit: Ursachen, Phasen und was Angehörige tun können

Wenn ein vertrauter Mensch immer seltener aufsteht, Mahlzeiten im Bett einnimmt oder das Schlafzimmer kaum noch verlässt, entsteht bei Angehörigen oft große Unsicherheit. Bettlägerigkeit beschreibt einen Zustand, bei dem das Bett zunehmend zum Lebensmittelpunkt wird und die selbstständige Mobilität erheblich eingeschränkt ist. Sie kann sich schleichend entwickeln, aber auch im Zusammenhang mit einer schweren Erkrankung entstehen. Wird dauerhaft umfangreiche Unterstützung benötigt, kann eine 24-Stunden-Pflege zu Hause als ergänzende Betreuungsform geprüft werden.

Für Angehörige ist wichtig zu verstehen, wie Bettlägerigkeit entsteht, welche fünf Phasen die Pflegewissenschaftlerin Angelika Zegelin beschrieben hat und welche gesundheitlichen Risiken beachtet werden müssen. Dieser Ratgeber erklärt die Ursachen und Folgen, zeigt konkrete nächste Schritte und hilft, medizinische Versorgung, professionelle Pflege und persönliche Unterstützung sinnvoll voneinander zu unterscheiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bettlägerigkeit ist keine eigenständige Krankheit, sondern beschreibt eine erhebliche Einschränkung der Mobilität, bei der das Bett über längere Zeit zum Lebensmittelpunkt wird.
  • Die fünf Phasen nach Angelika Zegelin heißen Instabilität, Ereignis, Immobilität, Ortsfixierung und Bettlägerigkeit.
  • Häufig wirken Erkrankungen, Schmerzen, Stürze, Muskelschwäche, Krankenhausaufenthalte und psychische Belastungen zusammen.
  • Längeres Liegen kann unter anderem Muskelabbau, Druckgeschwüre, Gelenkversteifungen, Thrombosen und Atemwegsprobleme begünstigen.
  • Eine plötzlich neue Unfähigkeit aufzustehen oder zu gehen muss dringend medizinisch eingeordnet werden. Bei möglichen Schlaganfallzeichen oder anderen schweren Notfallzeichen gilt sofort 112.
  • Mobilisation, Lagerung, Transfers und Maßnahmen zum Hautschutz müssen individuell abgestimmt und bei Bedarf fachlich angeleitet werden.

Was bedeutet Bettlägerigkeit?

Von Bettlägerigkeit spricht man, wenn eine Person aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen über längere Zeit überwiegend im Bett liegt und es nicht oder nur mit erheblicher Unterstützung verlassen kann. Häufig sind auch Lagewechsel, Körperpflege, Toilettengänge und alltägliche Aktivitäten erschwert.

Bettlägerigkeit ist nicht mit einer vorübergehenden Bettruhe gleichzusetzen. Nach einer Operation oder während einer akuten Erkrankung kann zeitweise Bettruhe erforderlich sein. Diese Einschränkung muss nicht dauerhaft bestehen. Bei längerfristiger Bettlägerigkeit sind dagegen häufig mehrere Bereiche des täglichen Lebens betroffen.

Auch Immobilität und Bettlägerigkeit bedeuten nicht dasselbe. Immobilität beschreibt allgemein eine eingeschränkte oder fehlende Bewegungsfähigkeit. Bettlägerigkeit ist eine besonders weitreichende Form des Mobilitätsverlusts, bei der sich der Alltag zunehmend oder überwiegend im Bett abspielt.

Wie sich Bewegungseinschränkungen entwickeln und welche Möglichkeiten der Mobilitätsförderung bestehen, erklärt unser eigenständiger Ratgeber zur Immobilität im Alter.

Die 5 Phasen der Bettlägerigkeit nach Zegelin

Die Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Angelika Zegelin untersuchte, wie Menschen im höheren Lebensalter zunehmend bettlägerig werden. Sie beschrieb fünf Phasen, die von ersten Unsicherheiten beim Gehen über einen eingeschränkten Bewegungsradius bis zur Bettlägerigkeit reichen.

Die fünf Phasen sind ein pflegewissenschaftliches Erklärungsmodell und kein festgelegter Krankheitsverlauf. Nicht jeder Mensch entwickelt Bettlägerigkeit auf dieselbe Weise. Akute Erkrankungen können den Zustand rasch verändern. Rehabilitation und individuell geeignete Mobilitätsförderung können dagegen helfen, Fähigkeiten zu erhalten oder zurückzugewinnen.

Phase Typische Entwicklung Was Angehörige beachten sollten
1. Instabilität Gehen und Stehen werden unsicherer. Das Vertrauen in die eigene Beweglichkeit nimmt ab. Beschwerden abklären und sichere Bewegung sowie passende Hilfen ermöglichen.
2. Ereignis Ein Sturz, eine Erkrankung oder ein Krankenhausaufenthalt unterbricht den bisherigen Alltag. Behandlung, Rehabilitation und Rückkehr in den Alltag frühzeitig abstimmen.
3. Immobilität Die Beweglichkeit nimmt deutlich ab. Teilweise sind nur noch wenige selbstständige Schritte möglich. Ursachen klären und individuell geeignete Mobilitätsförderung organisieren.
4. Ortsfixierung Die Person kann ihren Sitz- oder Liegeplatz nicht mehr ohne Hilfe verlassen. Sichere Transfers und Unterstützung beim selbstbestimmten Ortswechsel gewährleisten.
5. Bettlägerigkeit Das Bett wird zum überwiegenden Aufenthaltsort. Selbstständiges Verlassen des Bettes gelingt kaum noch oder nicht mehr. Professionelle Pflegeplanung, gesundheitliche Risiken, Komfort und persönliche Wünsche berücksichtigen.

Warum die Ortsfixierung besonders wichtig ist

Mit Ortsfixierung beschreibt Zegelin eine Situation, in der ein Mensch seinen Aufenthaltsort nicht mehr eigenständig verlassen kann. Die Person kann möglicherweise noch im Sessel sitzen oder sich begrenzt bewegen, ist für einen Ortswechsel jedoch auf Unterstützung angewiesen.

Das ist besonders bedeutsam, weil eine Person von außen noch mobil erscheinen kann, obwohl sie ihren Platz ohne fremde Hilfe nicht verlassen kann. Wird sie beispielsweise nur passiv vom Bett in einen Rollstuhl gesetzt, bedeutet dies nicht automatisch, dass ihre eigenständige Mobilität erhalten bleibt.

Deshalb sollten Angehörige und Pflegefachpersonen nicht nur fragen, ob jemand zeitweise außerhalb des Bettes sitzt. Wichtiger ist: Kann die Person ihre Position oder ihren Aufenthaltsort noch selbstständig verändern, und welche Unterstützung benötigt sie dafür?

Welche Ursachen kann Bettlägerigkeit haben?

Bettlägerigkeit entsteht häufig durch das Zusammenwirken verschiedener körperlicher, psychischer und sozialer Faktoren. Eine einzelne Diagnose erklärt den Verlauf nicht immer vollständig. Auch längere Zeiträume mit wenig Bewegung können dazu beitragen, dass Muskelkraft und Selbstständigkeit weiter nachlassen.

Ältere Person wird beim sicheren Gehen in der Wohnung begleitet
Mobilitätsverlust früh erkennen

Wenn Aufstehen und Gehen zunehmend schwerfallen, sollten Ursachen und sichere Unterstützung frühzeitig geklärt werden.

Körperliche Ursachen: Erkrankungen, Schmerzen und Muskelschwäche

Schwere Erkrankungen, Folgen eines Sturzes, Schmerzen, neurologische Einschränkungen oder ein längerer Krankenhausaufenthalt können die Mobilität erheblich beeinträchtigen. Auch ausgeprägte Muskelschwäche und eingeschränkte Belastbarkeit spielen eine Rolle.

Wenn Bewegung schmerzhaft oder unsicher wird, vermeiden Betroffene möglicherweise das Aufstehen. Dadurch kann weitere Muskelkraft verloren gehen, was spätere Bewegungen zusätzlich erschwert. Dieser Zusammenhang zeigt, warum die Behandlung möglicher Ursachen und eine individuell angepasste Mobilitätsförderung wichtig sind.

Sturzangst, Rückzug und psychische Belastungen

Auch Angst vor einem erneuten Sturz kann dazu führen, dass ältere Menschen ihren Bewegungsradius immer stärker einschränken. Trauer, depressive Beschwerden oder fehlende soziale Kontakte können diesen Rückzug zusätzlich verstärken.

Angehörige sollten dies nicht vorschnell als fehlenden Willen bewerten. Hilfreicher ist es, nach konkreten Hindernissen zu fragen: Verursacht das Aufstehen Schmerzen? Fehlt Muskelkraft? Besteht Sturzangst? Ist ein Hilfsmittel nicht erreichbar oder fehlt jemand, der sicher unterstützen kann?

Wenn die Beweglichkeit zunehmend eingeschränkt ist, können auch mehrere Erkrankungen zusammenwirken. Unser Ratgeber zu Krankheiten im Alter bietet dazu einen übergeordneten Überblick. Die konkrete Ursache der Bettlägerigkeit muss jedoch individuell medizinisch beurteilt werden.

Wenn jemand plötzlich nicht mehr aufstehen kann

Eine plötzlich auftretende Unfähigkeit zu stehen oder zu gehen ist nicht einfach eine normale Phase des Bettlägerigwerdens. Dahinter können beispielsweise akute Erkrankungen oder Verletzungen stehen. Deshalb muss eine solche Veränderung unverzüglich medizinisch eingeschätzt werden.

Wichtige Notfallzeichen:

Bei neuen einseitigen Lähmungen, einem hängenden Mundwinkel, Sprach- oder Bewusstseinsstörungen, plötzlich ausgeprägter Gang- oder Standunfähigkeit mit Schlaganfallverdacht, starken Brustschmerzen oder akuter schwerer Atemnot sofort 112 wählen.

Auch ohne eindeutige Notfallzeichen benötigt eine plötzlich neue erhebliche Bewegungseinschränkung eine rasche ärztliche Beurteilung. Versuchen Sie nicht, die Person gewaltsam aufzurichten oder ohne geeignete Anleitung allein aus dem Bett zu heben.

Welche Folgen und Risiken hat längere Bettlägerigkeit?

Längere Bettlägerigkeit kann verschiedene gesundheitliche Probleme begünstigen. Wie hoch das individuelle Risiko ist, hängt von der vorhandenen Beweglichkeit, möglichen Erkrankungen und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Nicht jede bettlägerige Person entwickelt dieselben Komplikationen.

  • Muskelabbau und Gelenkversteifungen: Wenig Bewegung kann Muskelkraft und Beweglichkeit weiter verringern.
  • Druckgeschwüre (Dekubitus): Anhaltender Druck kann Haut und darunterliegendes Gewebe schädigen.
  • Thrombosen: Eingeschränkte Bewegung kann das Risiko für Blutgerinnsel in den Venen erhöhen.
  • Atemwegsprobleme: Eine geringe Beweglichkeit kann zusammen mit weiteren Risikofaktoren Atemwegskomplikationen begünstigen.
  • Verdauungsbeschwerden: Bewegungsmangel, bestimmte Erkrankungen und Medikamente können Verstopfung begünstigen.
  • Seelische Belastungen: Abhängigkeit, Einsamkeit und der Verlust vertrauter Aktivitäten können das Wohlbefinden beeinträchtigen.

Welche Maßnahmen erforderlich sind, müssen Pflegefachpersonen und die behandelnden ärztlichen Stellen individuell einschätzen. Einen Überblick über unterschiedliche vorbeugende Maßnahmen finden Sie im Ratgeber zu Prophylaxen in der Pflege.

Besondere Aufmerksamkeit benötigt die Haut, wenn sich eine Person nicht eigenständig umlagern kann. Anhaltende Rötungen, offene Hautstellen oder neue Schmerzen an belasteten Körperstellen sollten fachlich beurteilt werden. Weitere Informationen bietet unser Spezialratgeber zum Dekubitus.

Die konkrete Druckentlastung muss zur Person und ihrem Gesundheitszustand passen. Ein starres Umlagerungsintervall ist keine geeignete allgemeine Empfehlung. Sinnvoll ist eine individuelle Planung, die Beweglichkeit, Hautzustand, Schmerzen und persönliche Bedürfnisse berücksichtigt.

Kann man Bettlägerigkeit vorbeugen oder die Mobilität verbessern?

Bettlägerigkeit lässt sich nicht in jeder Situation verhindern oder rückgängig machen. Dennoch ist es wichtig, einen zunehmenden Mobilitätsverlust möglichst früh zu erkennen und vorhandene Fähigkeiten so lange wie sinnvoll und sicher möglich zu erhalten.

Ärztinnen, Ärzte, Pflegefachpersonen und Physiotherapeutinnen beziehungsweise Physiotherapeuten können einschätzen, welche Bewegungen geeignet sind. Je nach Gesundheitszustand kann bereits das eigenständige Verändern der Sitzposition, ein fachlich begleiteter Transfer oder eine kurze Aktivität im Alltag bedeutsam sein.

Wichtig sind persönliche Ziele. Vielleicht möchte die betroffene Person wieder am Tisch essen, im Sessel sitzen oder einen kurzen Weg durch die Wohnung bewältigen. Solche Ziele sollten gemeinsam festgelegt werden. Ohne entsprechende fachliche Einschätzung sollten Angehörige keine eigenständigen Mobilisationsversuche bei schweren Bewegungseinschränkungen beginnen.

Heller wohnlicher Schlafbereich mit Bett und Sessel
Ein sicheres und vertrautes Wohnumfeld

Ein geeigneter Schlaf- und Aufenthaltsbereich kann Versorgung, Orientierung und persönliche Teilhabe unterstützen.

Bei schweren fortschreitenden Erkrankungen oder in einer palliativen Situation können Ruhe, Schmerzfreiheit und Wohlbefinden wichtiger sein als eine Steigerung der Aktivität. Auch dann richtet sich eine gute Versorgung nach den persönlichen Wünschen und einer fachlich abgestimmten Pflegeplanung.

Bettlägerige Menschen zu Hause pflegen: Was Angehörige organisieren sollten

Die häusliche Pflege eines bettlägerigen Menschen kann körperlich und organisatorisch sehr anspruchsvoll sein. Oft müssen Körperpflege, Mahlzeiten, Toilettengänge, Positionswechsel, Hilfsmittel und medizinische Versorgung gleichzeitig organisiert werden.

Am Anfang sollte mit den beteiligten Fachpersonen geklärt werden, welche Unterstützung notwendig ist, welche Tätigkeiten Angehörige sicher übernehmen können und welche Aufgaben professionelle Pflege erfordern. Niemand sollte davon ausgehen, dass sämtliche körperlich belastenden Pflegetätigkeiten ohne Anleitung allein bewältigt werden können.

Sichere Transfers, Lagerung und Hautschutz

Das Umsetzen vom Bett in einen Rollstuhl oder Sessel kann schwierig und gefährlich sein, wenn die betroffene Person nur eingeschränkt mithelfen kann. Auch Lagewechsel im Bett benötigen möglicherweise Hilfsmittel oder entsprechend geschulte Unterstützung.

Lassen Sie sich die erforderlichen Abläufe individuell erklären. Pflegefachpersonen können beurteilen, welche Maßnahmen zur Druckentlastung geeignet sind und wie Hautbeobachtung, Positionswechsel und gegebenenfalls Hilfsmittel sicher organisiert werden.

Essen, Trinken und Körperpflege unterstützen

Regelmäßige Mahlzeiten, geeignete Körperpflege und erreichbare Getränke gehören zu einer verlässlichen Versorgung. Dabei müssen persönliche Vorlieben, mögliche Schluckstörungen und gegebenenfalls ärztlich vorgegebene Flüssigkeitsmengen berücksichtigt werden.

Wenn beim Essen oder Trinken regelmäßig Husten oder Verschlucken auftritt, ist eine medizinische beziehungsweise therapeutische Einschätzung wichtig. Eigenständige Versuche mit ungeeigneter Nahrung oder einer veränderten Essposition können gefährlich sein.

Auch bei starkem Unterstützungsbedarf sollte die betroffene Person möglichst weitgehend mitentscheiden können. Das betrifft beispielsweise die Reihenfolge der Körperpflege, bevorzugte Kleidung oder Ruhezeiten.

Pflegebett und Hilfsmittel passend auswählen

Je nach Situation können ein geeignetes Pflegebett, Druckentlastungshilfen oder Transferhilfsmittel die Versorgung erleichtern. Welche Ausstattung sinnvoll ist, hängt von Beweglichkeit, Platzverhältnissen und dem individuellen Unterstützungsbedarf ab.

Informationen zu Funktionen, Auswahl und Beantragung finden Angehörige im Ratgeber zum Pflegebett. Die konkrete Versorgung sollte mit Pflegefachpersonen beziehungsweise den zuständigen Stellen abgestimmt werden.

Pflegegrad, Fachpflege und Entlastung klären

Bettlägerigkeit kann mit einem erheblichen Pflegebedarf verbunden sein. Ein bestimmter Pflegegrad ergibt sich daraus jedoch nicht automatisch. Entscheidend sind die gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und die gesetzlichen Voraussetzungen. Bei längerfristigem Hilfebedarf sollte eine Pflegeberatung und gegebenenfalls die Antragstellung bei der Pflegekasse geprüft werden.

Medizinische Behandlungspflege, beispielsweise bestimmte ärztlich verordnete Maßnahmen, muss durch entsprechend qualifizierte Personen erbracht werden. Auch bei komplexen Transfers oder hohem Pflegebedarf darf die notwendige Fachversorgung nicht durch eine ungeeignete Betreuungslösung ersetzt werden.

Wer die Versorgung über längere Zeit organisiert, benötigt selbst ausreichende Entlastung. Hinweise zur Aufgabenverteilung und zu möglichen Unterstützungsformen finden Sie im Ratgeber für pflegende Angehörige.

Lebensqualität und Selbstbestimmung trotz Bettlägerigkeit erhalten

Auch wenn das Bett zum Lebensmittelpunkt geworden ist, bleiben soziale Kontakte, vertraute Gewohnheiten und persönliche Entscheidungen bedeutsam. Angehörige können fragen, wann die Person Besuch möchte, welche Musik sie hören oder welchen Tagesablauf sie bevorzugen würde.

Ältere Person und Angehörige besprechen gemeinsam die Alltagsgestaltung
Mitentscheidung ermöglichen

Vertraute Abläufe, Gespräche und persönliche Entscheidungen können das Wohlbefinden unterstützen.

Besuche, Gespräche, gemeinsames Musikhören oder der Blick nach draußen können den Tag bereichern. Dabei ist auf Müdigkeit, Schmerzen und persönliche Wünsche Rücksicht zu nehmen. Nicht jeder Tag muss mit möglichst vielen Aktivitäten gefüllt werden.

Für konkrete Beschäftigungsideen und alltagsnahe Aktivierung im Bett gibt es unseren eigenständigen Ratgeber zur Beschäftigung für bettlägerige Senioren. Dort liegt der Schwerpunkt auf Anregungen und Teilhabe, nicht auf der pflegerischen Versorgung.

Wann kann eine häusliche Betreuung zusätzlich unterstützen?

Bei Bettlägerigkeit können zahlreiche alltägliche Aufgaben anfallen, beispielsweise Haushalt, Mahlzeitenzubereitung, Gesellschaft und Tagesstruktur. Eine Betreuungskraft kann Angehörige in diesen Bereichen entlasten, soweit die Tätigkeiten zum vereinbarten Aufgabenbereich und zur tatsächlichen gesundheitlichen Situation passen.

Bei stark eingeschränkter Mobilität ist eine sorgfältige Abgrenzung notwendig: Medizinische Behandlungspflege, fachlich erforderliche Mobilisation, komplexe Transfers und eine kontinuierliche medizinische Überwachung können nicht einfach durch eine einzelne Betreuungskraft ersetzt werden. Auch eine sogenannte 24-Stunden-Betreuung bedeutet keine durchgehende Arbeits- oder Rufbereitschaft ohne Ruhezeiten.

Die besonderen Möglichkeiten und Grenzen dieses Modells erläutert unser spezialisierter Ratgeber zur 24-Stunden-Betreuung bei Bettlägerigkeit.

Betreuung als Ergänzung zur Fachpflege

Wenn bei hohem Pflegebedarf zusätzlich Unterstützung im Haushalt, Gesellschaft und Tagesstruktur benötigt werden, können osteuropäische Betreuungskräfte unter geeigneten Voraussetzungen eine Ergänzung sein. Notwendige medizinische und pflegerische Fachleistungen müssen gesondert sichergestellt werden.

Osteuropäische Betreuungskräfte kennenlernen

Fazit: Bettlägerigkeit früh erkennen und passende Hilfe organisieren

Bettlägerigkeit kann sich aus zunehmenden Bewegungseinschränkungen entwickeln und betrifft weit mehr als das Liegen im Bett. Die fünf Phasen nach Zegelin helfen, typische Veränderungen zu verstehen. Sie ersetzen jedoch keine individuelle medizinische und pflegefachliche Einschätzung.

Angehörige sollten Mobilitätsverlust früh ansprechen, akute Warnzeichen ernst nehmen und bei längerfristiger Bettlägerigkeit eine sichere Pflege, notwendige Prophylaxen, geeignete Hilfsmittel und Entlastung organisieren. Auch bei hohem Unterstützungsbedarf bleiben persönliche Wünsche, Selbstbestimmung und Lebensqualität wichtige Ziele.

Medizinischer Hinweis: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, individuelle Pflegeplanung oder medizinische Beratung. Bei plötzlich auftretenden schweren Beschwerden oder möglichen Schlaganfallzeichen sofort medizinische Hilfe organisieren.

Fachliche Quellen: Angelika Zegelin – Ortsfixierung und die fünf Phasen des Bettlägerigwerdens; MSD Manual – Probleme durch Bettlägerigkeit; gesund.bund.de – Druckgeschwür; DNQP – Expertenstandards in der Pflege.

Wenn zu Hause dauerhaft mehr Unterstützung nötig wird

Wir informieren Sie über Möglichkeiten und Grenzen einer häuslichen Betreuung, wenn dauerhaft Hilfe im Alltag benötigt wird. Medizinische Behandlung und professionelle Fachpflege bleiben dabei eigenständige Bestandteile der Versorgung.

24-Stunden-Pflege zu Hause kennenlernen

Häufige Fragen zur Bettlägerigkeit

Ab wann gilt ein Mensch als bettlägerig?

Von Bettlägerigkeit spricht man, wenn ein Mensch über längere Zeit überwiegend im Bett liegt und dieses nicht oder nur mit erheblicher Unterstützung verlassen kann. Eine vorübergehende medizinisch angeordnete Bettruhe ist davon zu unterscheiden.

Welche fünf Phasen der Bettlägerigkeit gibt es?

Nach Angelika Zegelin werden die Phasen Instabilität, Ereignis, Immobilität, Ortsfixierung und Bettlägerigkeit unterschieden. Sie beschreiben einen möglichen Entwicklungsprozess und sind keine feste Abfolge, die jeder Mensch zwangsläufig durchlaufen muss.

Welche gesundheitlichen Folgen kann Bettlägerigkeit haben?

Zu den möglichen Folgen gehören Muskelabbau, Gelenkversteifungen, Druckgeschwüre, ein erhöhtes Thromboserisiko, Atemwegsprobleme, Verdauungsbeschwerden und seelische Belastungen. Welche Maßnahmen erforderlich sind, muss individuell beurteilt werden.

Kann Bettlägerigkeit wieder rückgängig gemacht werden?

Manche Menschen gewinnen durch die Behandlung der Ursache, Rehabilitation und individuell angepasste Mobilitätsförderung Fähigkeiten zurück. Bei anderen bleibt die Einschränkung bestehen oder nimmt weiter zu. Eine pauschale Prognose ist nicht möglich.

Welchen Pflegegrad erhält man bei Bettlägerigkeit?

Bettlägerigkeit führt nicht automatisch zu einem bestimmten Pflegegrad. Entscheidend sind die gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und die gesetzlichen Voraussetzungen. Bei längerfristigem Unterstützungsbedarf sollte die Pflegebedürftigkeit geprüft werden.

Wie lange kann ein bettlägeriger Mensch leben?

Aus der Bettlägerigkeit allein lässt sich keine Lebenserwartung ableiten. Sie hängt unter anderem von der Grunderkrankung, dem allgemeinen Gesundheitszustand, möglichen Komplikationen und der medizinischen Versorgung ab. Eine individuelle Einschätzung ist nur im Zusammenhang mit der konkreten gesundheitlichen Situation möglich.

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