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Pflegegrad 4: Voraussetzungen, Punkte und Leistungen im Überblick

Pflegegrad 4 steht für schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten. Er wird grundsätzlich vergeben, wenn die Pflegebegutachtung 70 bis unter 90 gewichtete Punkte ergibt. Entscheidend ist dabei nicht eine bestimmte Diagnose, sondern wie selbstständig eine Person ihren Alltag noch bewältigen kann und wie viel regelmäßige Unterstützung sie benötigt.

Menschen mit Pflegegrad 4 sind häufig in mehreren Lebensbereichen auf umfangreiche Hilfe angewiesen – zum Beispiel bei Mobilität, Körperpflege, Essen und Trinken, Orientierung oder der Gestaltung des Tages. Trotzdem sieht die konkrete Situation bei jeder Person anders aus. Deshalb lässt sich Pflegegrad 4 weder an einer einzelnen Krankheit noch an einer bestimmten Zahl von Pflegestunden festmachen.

Dieser Ratgeber bündelt die wichtigsten Fragen zu Voraussetzungen, Punkten, typischen Einschränkungen und Leistungen bei Pflegegrad 4. Die wichtigsten Leistungsbeträge zeigen wir zur Orientierung; ausführliche Berechnungen, Auszahlungsregeln und Kombinationen bleiben bewusst der spezialisierten Geld-Unterseite vorbehalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegegrad 4 bedeutet schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten.
  • Für die Einstufung sind grundsätzlich 70 bis unter 90 gewichtete Punkte erforderlich.
  • Die entscheidende Bewertung erfolgt anhand von sechs Lebensbereichen der Pflegebegutachtung.
  • Eine bestimmte Krankheit führt nicht automatisch zu Pflegegrad 4.
  • Typisch ist ein hoher Hilfebedarf in mehreren Bereichen wie Mobilität, Selbstversorgung, Orientierung oder Tagesgestaltung.
  • 2026 beträgt das Pflegegeld bei Pflegegrad 4 800 Euro monatlich; ambulante Pflegesachleistungen stehen bis 1.859 Euro monatlich zur Verfügung.
  • Weitere Leistungen können unter anderem Entlastungsbetrag, Tages- und Nachtpflege, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, Pflegehilfsmittel sowie Zuschüsse für Wohnraumanpassungen sein.
  • Für eine sichere Versorgung zu Hause braucht es häufig mehrere aufeinander abgestimmte Unterstützungsbausteine.

Was bedeutet Pflegegrad 4?

Pflegegrad 4 ist der zweithöchste der fünf Pflegegrade. Er beschreibt eine Situation, in der die Selbstständigkeit oder Fähigkeiten einer Person schwerst beeinträchtigt sind. Die gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen müssen voraussichtlich für mindestens sechs Monate bestehen.

Dabei geht es nicht allein um körperliche Pflege. Auch Einschränkungen bei Orientierung, Kommunikation, Verhalten, dem Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen sowie der Gestaltung des Alltags können in die Bewertung einfließen.

Das übergeordnete System der fünf Pflegegrade erklären wir im allgemeinen Ratgeber zu Pflegegraden. Hier konzentrieren wir uns ausschließlich auf Pflegegrad 4.

Wenn bei Pflegegrad 4 zusätzlich eine umfangreichere Betreuung zu Hause organisiert werden muss, können Leistungen der Pflegeversicherung den Eigenanteil reduzieren, finanzieren die Versorgung aber nicht automatisch vollständig. Eine Einordnung bietet unsere Seite zu den Kosten der 24-Stunden-Pflege.

Ab wann bekommt man Pflegegrad 4?

Pflegegrad 4 wird grundsätzlich vergeben, wenn das Begutachtungsergebnis bei mindestens 70 und weniger als 90 gewichteten Punkten liegt.

Pflegegrad 3 umfasst grundsätzlich 47,5 bis unter 70 gewichtete Punkte. Pflegegrad 4 reicht von 70 bis unter 90 Punkten. Ab 90 Punkten liegt grundsätzlich Pflegegrad 5 vor. Die Punktzahl entsteht jedoch nicht dadurch, dass einzelne Pflegeminuten oder Tätigkeiten einfach zusammengerechnet werden.

Bewertet wird vielmehr, wie selbstständig eine Person bestimmte Tätigkeiten noch ausführen kann. Relevant ist beispielsweise, ob sie etwas selbstständig schafft, Anleitung oder Beaufsichtigung benötigt oder eine Tätigkeit teilweise beziehungsweise vollständig übernommen werden muss.

Wichtig: Eine Diagnose allein reicht nicht für Pflegegrad 4. Zwei Menschen mit derselben Erkrankung können unterschiedliche Pflegegrade erhalten, wenn sich ihre Selbstständigkeit und Fähigkeiten im Alltag unterschiedlich stark verändert haben.

Pflegegrad 4 Punkte: Wie die Begutachtung funktioniert

Die für den Pflegegrad entscheidende Begutachtung betrachtet sechs Lebensbereiche. Diese Module werden unterschiedlich stark gewichtet. Besonders stark wirkt sich die Selbstversorgung auf das Gesamtergebnis aus.

Die sechs für den Pflegegrad relevanten Module der Pflegebegutachtung
Bereich Gewichtung Beispiele
1. Mobilität 10 % Positionswechsel im Bett, Aufstehen, Umsetzen, Fortbewegen und Treppensteigen
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten 15 % gemeinsam mit Modul 3 – der höhere gewichtete Wert zählt Orientierung, Erinnern, Verstehen, Erkennen von Risiken und Mitteilen eigener Bedürfnisse
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen 15 % gemeinsam mit Modul 2 – der höhere gewichtete Wert zählt Nächtliche Unruhe, Ängste, Abwehr von Hilfe oder andere auffällige Verhaltensweisen
4. Selbstversorgung 40 % Waschen, Duschen, Anziehen, Essen, Trinken und Toilettennutzung
5. Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen 20 % Umgang mit Medikamenten, Messungen, Verbänden, Therapien und Arztbesuchen
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte 15 % Tagesablauf, Beschäftigung, Schlafrhythmus und soziale Kontakte

Bei den Modulen 2 und 3 werden die Ergebnisse also nicht vollständig addiert. Für die Gesamtbewertung fließt nur der höhere der beiden gewichteten Werte ein.

Zusätzlich werden bei der Begutachtung unter anderem außerhäusliche Aktivitäten und die Haushaltsführung betrachtet. Diese Angaben helfen bei Beratung und Versorgungsplanung, werden aber nicht zusätzlich in die Punktzahl für den Pflegegrad eingerechnet.

Wer die Punktebewertung grundsätzlich genauer verstehen möchte, findet im Ratgeber zur Pflegegrad-Einstufung eine vertiefende Erklärung.

Angehörige bereitet mit älterem Mann die Begutachtung für Pflegegrad 4 vor
Den tatsächlichen Alltag beschreiben

Für die Begutachtung sind konkrete wiederkehrende Situationen hilfreicher als allgemeine Aussagen wie „Er braucht viel Hilfe“.

Welche Voraussetzungen gelten bei Pflegegrad 4?

Eine einzelne Liste von Voraussetzungen nach dem Muster „Wer drei dieser fünf Einschränkungen hat, bekommt Pflegegrad 4“ gibt es nicht. Entscheidend ist das Gesamtergebnis der Begutachtung.

Für Pflegegrad 4 muss insgesamt eine schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten festgestellt werden. Das kann sich beispielsweise dadurch zeigen, dass eine Person in mehreren Bereichen regelmäßig umfangreiche Anleitung, Unterstützung oder vollständige Übernahme benötigt.

Typische Situationen können sein:

  • Aufstehen oder Umsetzen gelingt nicht sicher ohne personelle Hilfe.
  • Körperpflege und Ankleiden müssen weitgehend unterstützt oder übernommen werden.
  • Toilettengänge oder der Umgang mit Inkontinenz erfordern regelmäßig Hilfe.
  • Mahlzeiten müssen vorbereitet und teilweise begleitet werden.
  • Orientierung, Erinnerungsvermögen oder Kommunikation sind deutlich eingeschränkt.
  • Der Tagesablauf kann ohne Anleitung nicht zuverlässig strukturiert werden.
  • Medikamente, Therapien oder andere krankheitsbedingte Anforderungen können nicht selbstständig organisiert werden.
  • Auch am Abend oder in der Nacht kann wiederkehrende Unterstützung erforderlich sein.

Keine dieser Einschränkungen allein beweist Pflegegrad 4. Entscheidend ist immer das Gesamtbild der Selbstständigkeit und Fähigkeiten.

Pflegegrad 4 Fallbeispiel: Wie ein hoher Hilfebedarf aussehen kann

Ein Fallbeispiel kann helfen, die abstrakten Voraussetzungen greifbarer zu machen. Es lässt sich jedoch nicht direkt in eine bestimmte Punktzahl übersetzen und ersetzt keine individuelle Begutachtung.

Beispiel: Eine ältere Person kann innerhalb der Wohnung nur mit Unterstützung aufstehen und sich umsetzen. Beim Waschen, Anziehen und Toilettengang wird weitgehend Hilfe benötigt. Mahlzeiten müssen vorbereitet werden, und zum regelmäßigen Trinken ist Erinnerung notwendig. Zusätzlich bestehen Orientierungsschwierigkeiten und nächtliche Unruhe. Medikamente und Arzttermine werden vollständig von Angehörigen organisiert.

In diesem Beispiel bestehen Einschränkungen in mehreren für die Begutachtung relevanten Bereichen. Ob damit tatsächlich die Schwelle von 70 gewichteten Punkten erreicht wird, hängt davon ab, wie die Selbstständigkeit bei den einzelnen Kriterien konkret bewertet wird. Das kann nur im Begutachtungsverfahren festgestellt werden.

Das Beispiel zeigt auch, warum die Zahl der Pflegestunden allein keine zuverlässige Grundlage für einen Pflegegrad ist. Zwei Menschen können ähnlich lange Unterstützung erhalten und wegen unterschiedlicher Einschränkungen trotzdem verschiedene Punktwerte erreichen.

Welche Leistungen gibt es bei Pflegegrad 4 im Jahr 2026?

Mit Pflegegrad 4 bestehen umfangreiche Ansprüche aus der Pflegeversicherung. Manche Leistungen werden ausgezahlt, andere direkt mit einem Dienst oder einer Einrichtung abgerechnet oder für einen bestimmten Zweck bereitgestellt.

Wichtige Leistungen bei Pflegegrad 4 im Jahr 2026
Leistung Betrag 2026 Einordnung
Pflegegeld 800 € / Monat bei selbst sichergestellter häuslicher Pflege und erfüllten Voraussetzungen
Ambulante Pflegesachleistungen bis 1.859 € / Monat für Leistungen zugelassener ambulanter Pflege- und Betreuungsdienste
Entlastungsbetrag 131 € / Monat zweckgebunden für zulässige Entlastungs- und Unterstützungsangebote
Tages- und Nachtpflege bis 1.685 € / Monat teilstationäre Pflege zusätzlich zur häuslichen Versorgung
Verhinderungs- und Kurzzeitpflege bis 3.539 € / Jahr gemeinsam gemeinsamer Jahresbetrag für zeitweise Ersatz- oder Kurzzeitpflege
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch bis 42 € / Monat für bestimmte Verbrauchsprodukte im Pflegealltag
Wohnumfeldverbesserung bis 4.180 € / Maßnahme für geeignete Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfelds
Vollstationäre Pflege 1.855 € / Monat Leistung der Pflegeversicherung bei vollstationärer Pflege; zusätzliche Eigenanteile können bestehen

Die Beträge dürfen nicht einfach addiert werden. Pflegegeld, Sachleistungen und zweckgebundene Budgets folgen unterschiedlichen Regeln. Die vollständige Geld- und Leistungslogik erklären wir deshalb auf der spezialisierten Seite Pflegegrad 4: Wie viel Geld gibt es 2026?.

Ältere Frau und Tochter besprechen Leistungen bei Pflegegrad 4
Leistungen haben unterschiedliche Aufgaben

Pflegegeld ist eine Auszahlung, Pflegesachleistungen werden für professionelle Dienste genutzt und weitere Budgets sind an bestimmte Zwecke gebunden.

Pflegegeld und Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 4

Wird die häusliche Pflege in geeigneter Weise selbst sichergestellt, kann bei Pflegegrad 4 Pflegegeld von 800 Euro monatlich bezogen werden. Das Pflegegeld steht der pflegebedürftigen Person zu. Angehörige erhalten dadurch nicht automatisch einen eigenen Lohnanspruch.

Werden Leistungen eines zugelassenen ambulanten Pflege- oder Betreuungsdienstes genutzt, stehen stattdessen beziehungsweise ergänzend ambulante Pflegesachleistungen von bis zu 1.859 Euro monatlich zur Verfügung.

Pflegegeld und Pflegesachleistungen können auch miteinander kombiniert werden. Wird nur ein Teil der Sachleistungen ausgeschöpft, kann entsprechend anteilig Pflegegeld verbleiben.

Wer ausschließlich Pflegegeld bezieht, muss 2026 auch mit Pflegegrad 4 grundsätzlich einmal pro Halbjahr einen Beratungseinsatz in der eigenen Häuslichkeit wahrnehmen. Auf Wunsch kann die Beratung weiterhin vierteljährlich in Anspruch genommen werden.

Bekommen pflegende Angehörige bei Pflegegrad 4 Rentenpunkte?

Pflegegrad 4 allein führt nicht automatisch zu einer bestimmten Zahl von Rentenpunkten für Angehörige. Ob die Pflegeversicherung Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung für eine Pflegeperson zahlt, hängt von mehreren Voraussetzungen ab – unter anderem vom Pflegeumfang, der Art der Pflege und einer eigenen Erwerbstätigkeit.

Die genaue Abgrenzung gehört deshalb nicht in den Pflegegrad-4-Überblick. Unser Spezialratgeber erklärt, wann Rentenpunkte für die Pflege von Angehörigen möglich sind.

Was bedeutet Pflegegrad 4 für die Pflege zu Hause?

Pflegegrad 4 bedeutet nicht automatisch, dass eine Versorgung zu Hause nicht mehr möglich ist. Allerdings sollte sie bei einem so hohen Unterstützungsbedarf nicht nur aus einzelnen improvisierten Hilfen bestehen.

Ein tragfähiger Versorgungsplan beantwortet mindestens vier Fragen:

  • Welche Unterstützung wird regelmäßig benötigt?
  • Zu welchen Tageszeiten muss sie verfügbar sein?
  • Wer ist für die jeweilige Aufgabe verantwortlich?
  • Wer übernimmt sie, wenn die reguläre Unterstützung ausfällt?

Gerade dieser letzte Punkt wird häufig unterschätzt. Eine Versorgung funktioniert erst dann zuverlässig, wenn nicht nur der normale Alltag, sondern auch Krankheit, Urlaub oder kurzfristige Ausfälle berücksichtigt sind.

Hilfebedarf über den ganzen Tag betrachten

Ein einfacher Tages- oder Wochenplan macht Versorgungslücken sichtbar. Darin können beispielsweise folgende Bereiche festgehalten werden:

  • Aufstehen und morgendliche Versorgung,
  • Körperpflege und Ankleiden,
  • Toilettengänge und Transfers,
  • Mahlzeiten und ausreichendes Trinken,
  • Organisation von Medikamenten und Therapien,
  • Mobilität und Begleitung,
  • Haushalt und Einkäufe,
  • Tagesstruktur und soziale Kontakte sowie
  • Unterstützung am Abend und in der Nacht.

So lässt sich erkennen, ob einzelne Pflegediensteinsätze ausreichen oder ob zusätzliche Betreuung, Tagespflege beziehungsweise andere Entlastungsangebote notwendig sind.

Nachtbedarf und Vertretung ausdrücklich mitplanen

Bei Pflegegrad 4 kann gerade die Nacht entscheidend dafür sein, ob häusliche Pflege langfristig tragfähig bleibt. Es macht einen großen Unterschied, ob nur gelegentlich Unterstützung notwendig ist oder mehrmals pro Nacht aktiv geholfen werden muss.

Wiederkehrende Toilettengänge, Transfers, Orientierungsschwierigkeiten, Sturzgefahr oder starke nächtliche Unruhe können die Belastung der Angehörigen erheblich erhöhen. Dann sollte die Nachtversorgung genauso konkret geplant werden wie die Versorgung tagsüber.

Behandlungspflege von Betreuung und Pflegeversicherung trennen

Ärztlich verordnete medizinische Behandlungspflege ist von den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung zu unterscheiden. Dazu können beispielsweise bestimmte Injektionen, Wundversorgung oder andere medizinisch verordnete Maßnahmen gehören.

Solche Fachleistungen dürfen nicht stillschweigend einer Haushaltshilfe oder Betreuungskraft zugeordnet werden. Je nach Verordnung und Situation werden dafür entsprechend qualifizierte Fachkräfte beziehungsweise ein ambulanter Pflegedienst benötigt.

Ältere Person wird bei Pflegegrad 4 zu Hause von Angehöriger und Betreuungskraft unterstützt
Mehrere Bausteine können sich ergänzen

Angehörige, Pflegedienst, Entlastungsangebote und Betreuung können unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Entscheidend sind klare Grenzen und Zuständigkeiten.

Wie viele Stunden Pflege sind bei Pflegegrad 4 nötig?

Für Pflegegrad 4 gibt es keine vorgeschriebene Zahl von Pflegestunden pro Tag oder Woche. Die heutige Pflegebegutachtung richtet sich nach der Selbstständigkeit und den Fähigkeiten einer Person, nicht nach einem festen Minuten- oder Stundenwert.

Auch ein hoher Pflegegrad bedeutet deshalb nicht automatisch, dass rund um die Uhr aktive Pflege notwendig ist. Umgekehrt kann eine Person zu bestimmten Tageszeiten oder nachts sehr viel Unterstützung brauchen. Für die Versorgung zählt daher der konkrete Tagesablauf – für die Einstufung das Ergebnis der Begutachtung.

Haushaltshilfe bei Pflegegrad 4

Hauswirtschaftliche Unterstützung kann Angehörige erheblich entlasten. Eine feste gesetzliche Zahl von Haushaltshilfe-Stunden gibt es jedoch auch bei Pflegegrad 4 nicht.

Welche Finanzierung möglich ist und wie sich die theoretisch nutzbaren Stunden aus Budget und Anbieterpreis ergeben, erklären wir deshalb im eigenen Ratgeber zur Haushaltshilfe bei Pflegegrad 4.

Darf man mit Pflegegrad 4 noch arbeiten?

Auch Pflegegrad 4 bedeutet nicht automatisch Arbeitsunfähigkeit. Der Pflegegrad bewertet die Selbstständigkeit und Fähigkeiten im Alltag und ist kein generelles Arbeitsverbot.

Welche Arbeitszeit und welche Tätigkeit praktisch möglich sind, was gegenüber der Pflegekasse zu beachten ist und welche Auswirkungen eine Arbeit auf Pflegeleistungen haben kann, behandelt der Spezialratgeber Darf ich mit Pflegegrad 4 arbeiten?.

Pflegegrad 4 beantragen oder Höherstufung prüfen

Formal werden bei der Pflegekasse Leistungen der Pflegeversicherung beantragt. Anschließend wird im Begutachtungsverfahren festgestellt, ob Pflegebedürftigkeit vorliegt und welcher Pflegegrad erreicht wird. Besteht bereits ein Pflegegrad und hat sich die Selbstständigkeit deutlich verschlechtert, kann eine Höherstufung beantragt werden.

Für die Vorbereitung ist ein einfaches Vorgehen hilfreich:

  1. Notieren Sie über mehrere Tage, wobei regelmäßig Unterstützung benötigt wird.
  2. Halten Sie Arztberichte, Medikamentenpläne und relevante Unterlagen bereit.
  3. Schildern Sie auch Hilfen am Abend und in der Nacht.
  4. Erklären Sie, welche Tätigkeiten nur durch Anleitung, Beaufsichtigung oder personelle Unterstützung möglich sind.
  5. Prüfen Sie nach der Entscheidung den Bescheid und das Gutachten sorgfältig.

Den erstmaligen Ablauf erklären wir Schritt für Schritt im Ratgeber Pflegegrad beantragen. Wenn bereits ein Pflegegrad besteht, finden Sie die Besonderheiten im Ratgeber zur Höherstufung des Pflegegrads.

Was kann man bei Pflegegrad 4 nicht mehr selbstständig können?

Auch darauf gibt es keine feste Liste. Pflegegrad 4 bedeutet nicht, dass jede betroffene Person dieselben Fähigkeiten verloren hat oder gar nichts mehr selbst erledigen kann.

Eine Person kann beispielsweise noch selbstständig essen, aber beim Aufstehen, Waschen und Toilettengang vollständig auf Hilfe angewiesen sein. Eine andere Person ist körperlich noch vergleichsweise mobil, benötigt wegen kognitiver Einschränkungen jedoch sehr viel Orientierung, Anleitung und Beaufsichtigung.

Deshalb bewertet die Pflegebegutachtung nicht einfach, was jemand „kann oder nicht kann“, sondern den Grad der Selbstständigkeit in vielen einzelnen Situationen.

Wann stößt die Versorgung zu Hause bei Pflegegrad 4 an Grenzen?

Eine häusliche Versorgung sollte neu bewertet werden, wenn wichtige Aufgaben nicht mehr zuverlässig abgesichert werden können. Hinweise darauf können sein:

  • häufige oder gefährliche Stürze,
  • unsichere Transfers,
  • regelmäßiger aktiver Nachtbedarf ohne ausreichende Entlastung,
  • fehlende Vertretung bei Ausfall der Hauptpflegeperson,
  • medizinische Maßnahmen ohne klar geregelte fachliche Zuständigkeit,
  • längere unversorgte Zeiträume sowie
  • dauerhafte körperliche oder psychische Überlastung der Angehörigen.

Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Pflegeheim notwendig wird. Häufig können zusätzliche ambulante Dienste, Tagespflege, Entlastungsangebote, Hilfsmittel oder andere Unterstützungsformen Versorgungslücken schließen.

Fazit: Pflegegrad 4 ist mehr als eine Punktzahl

Pflegegrad 4 wird grundsätzlich bei 70 bis unter 90 gewichteten Punkten vergeben und steht für schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten. Die Punktzahl ist wichtig, beschreibt aber nicht allein, wie eine gute Versorgung aussehen muss.

Für Familien sind deshalb drei Dinge entscheidend: den tatsächlichen Hilfebedarf realistisch darstellen, die verschiedenen Pflegeleistungen richtig einordnen und die Versorgung so organisieren, dass notwendige Hilfe auch morgens, abends, nachts und bei Ausfällen zuverlässig verfügbar ist.

Die spezialisierten Unterseiten dieses Pflegegrad-4-Clusters vertiefen anschließend Geldleistungen, Haushaltshilfe und die Frage der Berufstätigkeit, ohne dass dieser Überblick alle Detailfragen doppelt beantworten muss.

Betreuung zu Hause bei Pflegegrad 4 einordnen

Wenn bei Pflegegrad 4 neben Angehörigen und Pflegedienst regelmäßig Begleitung und Unterstützung im Alltag benötigt werden, können Sie uns Ihre Betreuungssituation unverbindlich schildern.

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Häufige Fragen zu Pflegegrad 4

Was bedeutet Pflegegrad 4?

Pflegegrad 4 bedeutet schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten. Betroffene benötigen in mehreren Bereichen des Alltags umfangreiche und regelmäßige Unterstützung.

Wie viele Punkte braucht man für Pflegegrad 4?

Für Pflegegrad 4 sind grundsätzlich 70 bis unter 90 gewichtete Punkte erforderlich. Die Punkte entstehen aus den für den Pflegegrad relevanten Lebensbereichen der Pflegebegutachtung und werden unterschiedlich stark gewichtet.

Welche Voraussetzungen muss man für Pflegegrad 4 erfüllen?

Es gibt keine einzelne Krankheit oder feste Liste von Tätigkeiten, die automatisch zu Pflegegrad 4 führt. Entscheidend sind schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten und ein Begutachtungsergebnis von mindestens 70 und weniger als 90 gewichteten Punkten.

Welche Leistungen gibt es bei Pflegegrad 4?

Zu den möglichen Leistungen gehören unter anderem Pflegegeld, ambulante Pflegesachleistungen, Entlastungsbetrag, Tages- und Nachtpflege, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, Pflegehilfsmittel, Zuschüsse für Wohnumfeldverbesserungen sowie Leistungen bei vollstationärer Pflege.

Wie viel Pflegegeld gibt es bei Pflegegrad 4 im Jahr 2026?

Bei vollem Anspruch beträgt das Pflegegeld bei Pflegegrad 4 im Jahr 2026 monatlich 800 Euro. Werden ambulante Pflegesachleistungen genutzt, kann sich das Pflegegeld im Rahmen der Kombinationsleistung anteilig reduzieren.

Wie viele Stunden Pflege braucht man bei Pflegegrad 4?

Es gibt keine feste Zahl vorgeschriebener Pflegestunden. Pflegegrad 4 wird nach dem Grad der Selbstständigkeit und den Fähigkeiten bewertet, nicht anhand eines bestimmten täglichen oder wöchentlichen Zeitaufwands.

Kann man Pflegegrad 4 zu Hause versorgen?

Ja. Eine Versorgung zu Hause ist auch mit Pflegegrad 4 möglich. Aufgrund des hohen Unterstützungsbedarfs braucht es häufig eine Kombination aus Angehörigen, Pflegedienst, Entlastungsangeboten, Hilfsmitteln und gegebenenfalls weiterer Betreuung. Nachtbedarf und Vertretung sollten ausdrücklich mitgeplant werden.

Kann man mit Pflegegrad 4 noch arbeiten?

Grundsätzlich ja. Ein Pflegegrad ist kein Arbeitsverbot. Ob eine konkrete Tätigkeit praktisch möglich ist, hängt von der individuellen Belastbarkeit, dem Unterstützungsbedarf und den Arbeitsbedingungen ab.

Wie unterscheidet sich Pflegegrad 4 von Pflegegrad 3 und 5?

Pflegegrad 3 liegt grundsätzlich bei 47,5 bis unter 70 gewichteten Punkten vor. Pflegegrad 4 reicht von 70 bis unter 90 Punkten. Ab 90 Punkten liegt grundsätzlich Pflegegrad 5 vor. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Punktzahl, sondern welche Einschränkungen zu diesem Ergebnis führen.

Quellen und Stand

Stand: September 2026. Die Angaben zu Pflegegrad, Begutachtung und Leistungsbeträgen wurden anhand der aktuellen Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit geprüft.

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