Auffällige Hautstellen sollten entlastet und weiter beobachtet werden, bevor eine offene Wunde entsteht.
Ein Dekubitus beginnt häufig mit einer zunächst unscheinbaren Veränderung an einer dauerhaft belasteten Körperstelle. Wer Warnzeichen früh erkennt und den Druck konsequent reduziert, kann das Risiko einer tieferen Gewebeschädigung verringern. Dekubitusprophylaxe bedeutet deshalb vor allem: Eigenbewegung fördern, gefährdete Stellen entlasten, die Haut aufmerksam beobachten und notwendige Hilfsmittel individuell einsetzen.
Besonders gefährdet sind Menschen, die ihre Liege- oder Sitzposition nicht ausreichend selbst verändern können. Angehörige müssen dabei keine Diagnose stellen oder Wunden behandeln. Sie können jedoch Veränderungen früh bemerken, vereinbarte Maßnahmen unterstützen und rechtzeitig Pflegefachpersonen oder eine ärztliche Praxis einbeziehen.
Ein Dekubitus – umgangssprachlich auch Druckgeschwür oder Wundliegen genannt – ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Er entsteht insbesondere dort, wo über längere Zeit Druck auf eine Körperstelle wirkt und Knochen dicht unter der Haut liegen.
Druck kann kleine Blutgefäße zusammendrücken und dadurch die Versorgung des Gewebes beeinträchtigen. Zusätzlich können Scherkräfte entstehen. Das geschieht beispielsweise, wenn eine Person im Bett nach unten rutscht und sich Haut und tieferes Gewebe gegeneinander verschieben.
Ein Dekubitus betrifft deshalb nicht nur vollständig bettlägerige Menschen. Auch langes Sitzen im Sessel oder Rollstuhl kann gefährdete Körperstellen über längere Zeit belasten.
Die Dekubitusprophylaxe gehört zu den vorbeugenden Maßnahmen in der Pflege. Einen Überblick über weitere Bereiche finden Sie im Ratgeber zu den Prophylaxen in der Pflege.
Im Anfangsstadium ist die Haut häufig noch geschlossen. Ein wichtiges Warnzeichen ist eine umschriebene Veränderung an einer belasteten Körperstelle, die auch nach einer Druckentlastung bestehen bleibt.
Bei dunkler pigmentierter Haut ist eine klassische Rötung möglicherweise weniger deutlich sichtbar. Dann sind Veränderungen von Hautfarbe, Temperatur, Festigkeit und Empfindlichkeit besonders wichtig.
Auffällige Hautstellen sollten entlastet und weiter beobachtet werden, bevor eine offene Wunde entsteht.
Der sogenannte Fingerdrucktest kann bei heller Haut eine erste Orientierung geben. Eine gerötete Stelle wird dabei kurz und vorsichtig gedrückt. Wird die Haut vorübergehend heller und nimmt anschließend wieder ihre ursprüngliche Farbe an, unterscheidet sich dies von einer Rötung, die sich durch Druck nicht verändert.
Eine nicht wegdrückbare Rötung auf intakter Haut ist ein ernstes Warnzeichen und kann zu einem Dekubitus der Kategorie 1 passen.
Der Fingertest ist keine sichere Selbstdiagnose. Besonders bei dunkler pigmentierter Haut darf die Beurteilung nicht allein von einer sichtbaren Farbveränderung abhängen. Temperatur, Festigkeit, Schwellung, Schmerzen und andere Veränderungen gegenüber dem umliegenden Gewebe müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Nehmen Sie den Druck von der betroffenen Stelle, massieren Sie sie nicht und beobachten Sie die Veränderung. Bleibt sie bestehen oder verschlechtert sie sich, sollte eine Pflegefachperson oder ärztliche Praxis einbezogen werden.
Zur fachlichen Einordnung werden Druckschäden häufig in Kategorien eingeteilt. Die folgende Übersicht dient nur der Orientierung. Eine Einstufung sollte durch qualifizierte Fachpersonen erfolgen.
| Kategorie | Vereinfachte Einordnung |
|---|---|
| Kategorie 1 | intakte Haut mit einer nicht wegdrückbaren Rötung beziehungsweise auffälligen Veränderung |
| Kategorie 2 | oberflächlicher Hautverlust oder Blasenbildung; tiefere Gewebeschichten liegen noch nicht offen |
| Kategorie 3 | vollständiger Hautverlust mit tiefer reichender Gewebeschädigung |
| Kategorie 4 | sehr tiefer Gewebeverlust, bei dem auch tiefer liegende Strukturen betroffen sein können |
Je tiefer die Schädigung reicht, desto wichtiger ist eine professionelle Wundversorgung. Für Angehörige ist deshalb nicht die genaue Kategorie entscheidend, sondern das frühe Erkennen auffälliger Veränderungen und eine schnelle fachliche Abklärung.
Druckgeschwüre entstehen besonders häufig dort, wo Knochen nahe unter der Haut liegen. Welche Stellen belastet werden, hängt deshalb stark von der Liege- oder Sitzposition ab.
| Position | Besonders gefährdete Körperstellen |
|---|---|
| Rückenlage | Hinterkopf, Schulterblätter, Ellenbogen, Kreuz- und Steißbein sowie Fersen |
| Seitenlage | Schulter, Hüfte, Außenseite der Knie und Knöchel |
| Sitzen | Sitzbeinhöcker, Steißbein, Rücken und je nach Position auch Fersen |
Die Fersen verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil dort nur wenig schützendes Gewebe zwischen Haut und Knochen liegt. Auch eine Person, die im Sessel langsam nach vorne rutscht, kann durch zusätzlichen Druck und Scherkräfte gefährdet sein.
Eine Hautkontrolle lässt sich gut in ohnehin notwendige Abläufe integrieren, beispielsweise beim Ankleiden, bei der Körperpflege oder nach längeren Sitz- und Liegephasen.
Das größte Risiko entsteht, wenn eine Person belastete Körperstellen nicht ausreichend selbst entlasten kann. Häufig wirken jedoch mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen.
| Risikobereich | Beispiele |
|---|---|
| Beweglichkeit | Bettlägerigkeit, Lähmung, starke Schwäche, Schmerzen oder eingeschränkte Fähigkeit zum selbstständigen Positionswechsel |
| Wahrnehmung | vermindertes Schmerz- oder Druckempfinden sowie Bewusstseins- oder Wahrnehmungsstörungen |
| Haut und Feuchtigkeit | empfindliche oder vorgeschädigte Haut, starkes Schwitzen oder längerer Kontakt mit Feuchtigkeit |
| Mechanische Belastung | anhaltender Druck, Scherkräfte, Reibung oder ungünstiges Rutschen im Bett beziehungsweise Sessel |
| Allgemeinzustand | Unter- oder Fehlernährung, unzureichende Flüssigkeitsversorgung und schwere gesundheitliche Einschränkungen können die Widerstandsfähigkeit des Gewebes zusätzlich beeinträchtigen |
Menschen mit stark eingeschränkter Mobilität benötigen häufig besonders verlässliche Unterstützung. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Ratgeber zur Bettlägerigkeit.
Dekubitusprophylaxe umfasst alle Maßnahmen, die das Risiko für Druckgeschwüre reduzieren sollen. Im Mittelpunkt steht nicht eine bestimmte Creme oder Matratze, sondern eine ausreichende und individuell passende Druckentlastung.
Ausreichendes Essen und Trinken im individuell möglichen Rahmen unterstützt den allgemeinen Gesundheitszustand und die Widerstandsfähigkeit des Gewebes. Ernährung und Hautpflege ersetzen jedoch keine Druckentlastung.
Für die Dekubitusprophylaxe gibt es keinen festen Umlagerungsrhythmus, der für jeden Menschen gleichermaßen geeignet ist. Wie häufig eine Position verändert werden muss, richtet sich unter anderem nach Eigenbewegung, Hautzustand, Schmerzen, Erkrankungen, den verwendeten Hilfsmitteln und der aktuellen Druckbelastung.
Menschen, die sich selbst noch ausreichend bewegen können, sollten diese Fähigkeit möglichst nutzen und darin unterstützt werden. Wer seine Position kaum oder gar nicht selbst verändern kann, benötigt dagegen einen individuell abgestimmten Plan.
Positionswechsel sollten nicht gegen starke Schmerzen oder Widerstand durchgeführt werden. Wenn eine Person kaum mithelfen kann oder das Umsetzen schwierig ist, sollte eine Pflegefachperson zeigen, welche Vorgehensweise und welche Hilfsmittel geeignet sind.
Geeignete Positionen und Hilfsmittel richten sich nach Beweglichkeit, Beschwerden und persönlichem Risiko.
Kissen und andere Positionierungshilfen können helfen, belastete Bereiche gezielt zu entlasten. Welche Lösungen sich für Bett und Sitzposition eignen, erklärt unser Überblick zu Lagerungshilfen in der Pflege.
Auch eine druckverteilende Matratze kann Teil der Versorgung sein. Sie verhindert einen Dekubitus jedoch nicht automatisch und ersetzt weder Bewegung noch Hautkontrolle. Mehr dazu finden Sie im Ratgeber zur Weichlagerungsmatratze.
Hilfsmittel sollten nicht nach dem Prinzip „je weicher, desto besser“ ausgewählt werden. Sie müssen zur Mobilität, zur Körperposition und zur vorhandenen Pflege- und Transfersituation passen.
Gefährdete Haut sollte sauber, möglichst trocken und frei von unnötiger Reibung gehalten werden. Bei Inkontinenz oder starkem Schwitzen sollten feuchte Kleidung und Unterlagen zeitnah gewechselt werden.
Beim Waschen und Abtrocknen ist ein schonendes Vorgehen sinnvoll. Starkes Rubbeln oder Massieren bereits geröteter Druckstellen ist ungeeignet. Hautpflegeprodukte sollten zum tatsächlichen Hautzustand passen.
Eine Creme allein verhindert keinen Dekubitus. Bewegung, Druckentlastung und eine passende Positionierung bleiben die zentralen Maßnahmen.
Der Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege richtet sich an professionelle Pflegeeinrichtungen und Pflegefachkräfte. Im Mittelpunkt stehen die systematische Einschätzung des individuellen Risikos, geeignete vorbeugende Maßnahmen sowie deren regelmäßige Überprüfung.
Angehörige müssen daraus keine eigene professionelle Pflegeplanung ableiten. Für sie sind konkrete Beobachtungen wesentlich hilfreicher: Kann die Person ihre Position noch selbst verändern? Welche Hautstellen sind auffällig? Wann treten Schmerzen oder Druckgefühle auf? Welche Positionen werden schlecht toleriert?
Solche Informationen helfen Pflegefachpersonen dabei, die Dekubitusprophylaxe an die tatsächliche Situation anzupassen.
Belasten Sie die auffällige Körperstelle möglichst nicht weiter, massieren Sie sie nicht und beobachten Sie, ob sich die Veränderung zurückbildet oder zunimmt.
Bleibt eine Rötung oder Verfärbung bestehen, ist sie nicht wegdrückbar oder treten Schmerzen, Verhärtung, Blasen, Nässen oder eine offene Stelle auf, sollte zeitnah eine Pflegefachperson oder ärztliche Praxis hinzugezogen werden.
Eine offene Wunde sollte nicht mit beliebigen Salben, Desinfektionsmitteln oder selbst gewählten Wundauflagen behandelt werden. Welche Versorgung erforderlich ist, hängt vom tatsächlichen Befund ab.
Die Versorgung eines bestehenden Druckgeschwürs kann professionelle medizinisch-pflegerische Maßnahmen erfordern. Wie solche Aufgaben von allgemeiner Alltagshilfe abgegrenzt werden, erklärt unser Ratgeber zur Behandlungspflege.
Ort, Zeitpunkt, Aussehen, Temperatur und Beschwerden sind für Fachpersonen hilfreicher als eine eigene Diagnose.
Angehörige müssen keine Wundexperten sein. Sie können jedoch dazu beitragen, dass vereinbarte vorbeugende Maßnahmen im Alltag zuverlässig umgesetzt und Veränderungen früh erkannt werden.
Wenn darüber hinaus täglich Unterstützung bei Mahlzeiten, Haushalt, Tagesstruktur und alltäglicher Mobilität benötigt wird, kann eine Betreuungskraft den häuslichen Alltag ergänzen. Medizinische Wundversorgung und fachpflegerische Entscheidungen bleiben davon klar getrennt.
Zusätzliche Unterstützung im Alltag erforderlich?
Wenn Angehörige den täglichen Unterstützungsbedarf nicht mehr allein abdecken können, können Betreuungskräfte aus Osteuropa bei Mahlzeiten, Haushalt, Tagesstruktur und – soweit sicher vereinbart – bei alltäglicher Mobilität unterstützen. Medizinische Behandlung und Wundversorgung gehören weiterhin in professionelle Hände.
Dekubitusprophylaxe beginnt nicht mit einer speziellen Matratze oder Hautcreme, sondern mit der Frage, ob eine gefährdete Körperstelle ausreichend entlastet wird. Eigenbewegung, individuell passende Positionswechsel, regelmäßige Hautbeobachtung und der sinnvolle Einsatz von Hilfsmitteln greifen dabei ineinander.
Angehörige sollten vor allem die frühen Warnzeichen kennen. Eine anhaltende oder nicht wegdrückbare Rötung beziehungsweise auffällige Verfärbung, Schmerzen, Verhärtungen, Blasen oder eine offene Stelle sollten nicht einfach abgewartet werden.
Wenn neben professioneller Pflege täglich Unterstützung bei Mobilität, Mahlzeiten, Haushalt und Tagesstruktur benötigt wird, informieren wir Sie über Möglichkeiten einer häuslichen Betreuung.
Ein frühes Warnzeichen ist eine anhaltende Rötung oder auffällige Verfärbung an einer belasteten Körperstelle. Zusätzlich können sich Temperatur, Festigkeit oder Empfindlichkeit der Haut verändern. Eine nicht wegdrückbare Rötung auf intakter Haut sollte fachlich beurteilt werden.
Beim Fingertest wird eine gerötete Hautstelle kurz vorsichtig gedrückt. Wird die Stelle dabei nicht heller, kann dies ein Warnzeichen sein. Der Test ersetzt keine fachliche Beurteilung und ist besonders bei dunkler pigmentierter Haut nicht als alleinige Beurteilungsgrundlage geeignet.
Häufig gefährdet sind Fersen, Kreuz- und Steißbein, Hüften, Sitzbeinhöcker, Knöchel, Ellenbogen, Schulterblätter und Hinterkopf. Welche Stelle besonders belastet ist, hängt von der Liege- oder Sitzposition ab.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören Eigenbewegung und individuell passende Positionswechsel, konsequente Druckentlastung, das Vermeiden von Reibung und Scherkräften, regelmäßige Hautbeobachtung und bei Bedarf geeignete Lagerungs- oder Druckentlastungshilfen.
Es gibt kein für jeden Menschen passendes starres Intervall. Häufigkeit und Art der Positionswechsel richten sich nach individuellem Risiko, Eigenbewegung, Hautzustand, Beschwerden und verwendeten Hilfsmitteln. Bei hohem Risiko sollte ein individueller Plan mit Pflegefachpersonen abgestimmt werden.
Dafür gibt es keine allgemeingültige Zeitangabe. Das Risiko hängt unter anderem von Stärke und Dauer der Druckbelastung, Beweglichkeit, Hautzustand, Wahrnehmung und weiteren gesundheitlichen Faktoren ab.
Eine geeignete Matratze kann die Druckverteilung unterstützen und damit Teil der Prophylaxe sein. Sie ersetzt jedoch weder Bewegung noch individuell notwendige Positionswechsel und Hautkontrolle.

